"Beratung muss besser, fairer, objektiver und transparenter werden", sagt Gerd Billen, vzbv Vorstand. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert den Deutschen Bundestag auf, noch in dieser Legislaturperiode die Qualität der Beratungsleistungen der Banken zu verbessern. "Als gäbe es keine Finanzkrise, dümpelt der Anlegerschutz weiter vor sich hin", konsterniert Billen. Gelegenheit zur Verbesserung, bietet der morgen im Finanzausschuss des Bundestages zur Debatte stehende Entwurf des Gesetzes zur Fortentwicklung des Pfandbriefrechts.
Die durchschnittliche Rendite der Geldanlagen deutscher Verbraucher fiel im Zeitraum 1997 bis 2007 negativ aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine heute veröffentlichte Analyse des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). Demnach wurden den Verbrauchern immer risikoreichere Anlageprodukte mit hohen Renditeerwartungen verkauft, die sich unterm Strich nicht erfüllt haben. Für den Bundesverband ist die Studie ein Indiz für eine verfehlte Beratungspraxis, die vor allem durch Provisionen, nicht aber durch die Bedürfnisse der Kunden gesteuert wird. "Wer sein Geld auf das Sparkonto gelegt hat, statt der Anlageempfehlung des Finanzberaters zu vertrauen, ist besser gefahren", bringt Billen das Ergebnis auf den Punkt. Überraschend ist das Ergebnis einer parallel in Auftrag gegebenen Umfrage: Demnach bezeichnen 80 Prozent der Befragten das Vertrauen zur ihrer Bank als gut bis sehr gut.
Die aktuelle Studie belegt, dass die Anlageentscheidungen der Deutschen immer riskanter werden, obwohl nach wie vor die Sicherheit an oberstes Stelle steht. "Die Lehman-Geschädigten, bei denen Risiken verschleiert und Renditen schön geredet wurden, sind ein gutes Beispiel", sagt Billen. Insgesamt sprechen die Zahlen für sich: In den letzten zehn Jahren erreichten die deutschen Verbraucher mit ihren Geldanlagen im Durchschnitt nicht einmal den Kapitalerhalt. Das spiegelt sich in der Rendite wieder, welche die privaten Haushalte in der Zeit von 1997 bis 2007 insgesamt mit ihrer Geldvermögensbildung erzielten: nominal magere 0,7885 Prozent. Nach Abzug der Inflationsrate ist diese Rendite negativ. Verbraucher erzielten im Schnitt der letzten zehn Jahre real Vermögensverluste von bis zu 1,2 Prozent. Billen kritisiert: "Ein Teil dieser Verluste ist ohne Gegenwert in Provisionen und Gebühren und damit in die Taschen der Banken und Vertriebe geflossen."
Neben klaren rechtlichen Rahmenbedingungen für eine bessere Beratungsleistung der Banken fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband die Stärkung der produkt- und anbieterunabhängigen Anlageberatung. "Der Ansturm auf unsere Finanzhotline und die Nachfrage in den Beratungsstellen zeigt die Notwendigkeit neutraler Beratungsstellen", sagt Billen. Bestätigt wird dies durch die parallel zur Studie durchgeführte Meinungsumfrage. Demnach wünschen sich mehr als 50 Prozent der Befragten eine unabhängige Beratung. 41,8 Prozent würden diese am liebsten bei den Verbraucherzentralen in Anspruch nehmen. Das Bedürfnis nach einer von Banken unabhängigen Finanzberatung zeigt, dass die laut Umfrage nach wie vor hohe Zufriedenheit der Verbraucher mit ihrer Bank nicht unumstößlich ist. "Dieser Vertrauensvorschuss wird schnell schwinden, wenn Banken und Politik jetzt nicht rechtzeitig gegensteuern", sagt Billen.
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